Drop Out Chaos – Apocalypse
VÖ: 08.07.2017 via Burnout Records / KB Records

Schöne Grüße an den Staatsanwalt!

Drop Out Chaos – das sind Sänger und Gitarrist Dennis, Bassist Martin, Schlagzeuger Atze sowie Gitarrist Tobey. Die Band, die sich 2004 gegründet hat, sorgte zwei Jahre später mit ihrer Debütscheibe für erste Schlagzeilen, als Broken Silence den Vertrieb für das Album Lebenslänglich wegen sexistischer Texte verweigerte.

Nach dem Labelwechsel zu Burnout-Records, meldeten sich die Berliner drei Jahre später mit ihrem zweiten Werk Kalt und Dreckig zurück.
Von 2009 bis 2012 spielten die Musiker rund 100 Konzerte auf etlichen Festivals wie dem OFT-Festival, Back On The Streets Festival, Oi For You Festival oder dem Spreewald-Rock-Festival und supportetet u.a. Band wie die KrawallBrüder, Perkele und Grober Knüppel.
Nachdem im August 2012 das dritte Album erschienen ist, wurde im vergangenen Monat (Juli 2017) ihr nun schon vierter Longplayer Apocalypse released.
Zusammen mit der “The Real German Manchester United Group” hat die Band 2013
ein Projekt zu Ehren des Fussballclubs Manchester United ins Leben gerufen. Dabei
veröffentlichten sie unter dem Namen „DOC United“ eine auf 500 Stück streng
limitierte Single.
Im Oktober 2014 feierten die Jungs ihr zehnjähriges Bandbestehen und veröffentlichte im Dezember 2015 eine dazugehörige Live CD/ DVD.

Discografie:
2006: Lebenslänglich (Sunny Bastards; ab 2010 auf Burnout Records/KB Records)
2009: Kalt & Dreckig (Burnout Records/KB Records)
2012: Wo geht die Reise hin (Burnout Records/KB Records)
2013: DOC United (DIY)
2015: 10 JAHRE – Live in Berlin (DIY, Live CD/DVD)

Im Sommer letzten Jahres fanden sich die Musiker im Lakeside Studio in Berlin Friedrichshain (vormals Kugelphone Studio – Anticops) ein, um das neue Album aufzunehmen, welches im Winter unter der Leitung von Dirk Burke (In Extremo, Knorkator, Dritte Wahl, Friedemann, Zaunpfahl) gemixt und gemastert wurde. Das Artwork ist von Atze Anticops von Stoneface Design und präsentiert den Albumtitel hervorragend. Ziemlich treffend und doch genügend Raum für eigene Interpretationen.


Traklist:

  1. Dagegen
  2. Du musst hart sein in dieser Welt (feat. Viktor – Soifass)
  3. Geister der Depression
  4. Lass los
  5. Niemand
  6. Wach auf
  7. Die Nacht gehört Dir
  8. Frei wie der Wind
  9. Boom (feat. Viktor – Soifass)
  10. World of Crime
  11. Himmel
  12. Führungsriege
  13. Lost Generation
  14. Terror
  15. Outro

„… die ganze Welt ist korrupt, scheiß auf das System…!“

Eine Aussage, die vor allem in der heutigen Zeit mehr wie nur treffend ist. Der Opener „Dagegen“ spricht sozialkritisch die Missstände in dieser Welt an und zeigt klar den Standpunkt der Band gegenüber derer, die die Schwachen terrorisieren und unterdrücken. „… ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen muss, war lange ruhig, doch jetzt ist Schluss!…“. Anfangs war ich von der Aggressivität des Songs etwas erstaunt, beginnt er in den ersten 20 Sekunden doch eher mystisch. Dennoch überzeugt die Nummer mit v.a. durch die klaren Ansagen im Text: “… Nimm ihnen das, was sie dir nehmen!…“ Das VIDEO zum Song wurde bereits am 25.06.2017 auf Youtube veröffentlicht.

Und auch der nachfolgende Track fasst die Thematik ein Stück weit mit auf. Die Kernaussage findet sich bereits im Titel „Du musst hart sein in dieser Welt“ wieder. Für diesen ebenso wie für den 9. Track „Boom“ konnte die Band Gastsänger Viktor (Soifass) gewinnen.

Ein weiteres sehr aktuelles Thema wird mit „Geister der Depression“ aufgegriffen. Mir schießt da sofort der 20. Juli 2017 in den Kopf, der sicherlich ein schwarzer Tag in der Musikwelt bleiben wird. Thematisch muss man hier nicht weiter graben, der Song erklärt sich von alleine.

Nach so viel Vollgas kommt mit „Lass los“ endlich eine kleine Verschnaufpause. Nach einem kraftvollen Beginn mit verzerrten Gitarrenklängen wird es ruhiger und besinnlicher.

Song N° 5 „Niemand“ und N°6 „Wach auf“ folgen, bevor es mit „Die Nacht gehört Dir“ nochmal um ein paar Takte ruhiger wird. Die Ballade ist ein sehr schöner Kontrast und eine gelungene Abwechslung!

Umso ausgeruhter ist man jetzt, um mit „Frei wie der Wind“ den Fuß wieder leicht auf das Gaspedal zu drücken. Das ca. 40 sekündige instrumentale Intro gilt es hier besonders hervorzuheben.

„Welcome to the World of Crime – mit dem englischen Titel haben DOC ein weiteres Highlight auf dem Album geschaffen. Für jeden, der dem Schulenglisch mächtig ist, wird es ein leichtes sein, den Text zu übersetzen und zu verstehen. Inhaltlich greift auch dieser Song das Thema aus dem Opener auf. Im Refrain heißt es:
„…All what i dream is meaningless when i wake up. …“ („Alles was ich träume ist bedeutungslos wenn ich aufwache.“)

Eine weitere Ballade wurde mit „Himmel“ geschrieben. Melancholisch und in Erinnerungen schwelgend wird hier an einen besonderen Menschen gedacht und wenn man sich vollkommen auf den Song einlässt, kann es tatsächlich passieren, dass die ein oder andere Träne im Augenwinkel hängen bleibt! Große Emotionen!

Zum Ende von „Führungsriege“ dachte ich kurzzeitig, ich wär schizophren oder hätte akustische Halluzinationen, hab ich doch tatsächlich irgendwelche Stimmen gehört. 🙂 Aber ich kann jeden, dem es genau so geht, beruhigen: das gehört zum Song dazu!

Im mit 4.51 Minuten längstem Titel „Lost Generation“ heißt es: verlorene, tote, dumme, Generation…

“…Holt den Anzug aus dem Schrank, wir nähern uns dem Untergang.
Ich schaue euch zu und bin damit nicht besser als ihr.
Meine Kinder, ich schäme mich vor euch
für diese Welt, in der ich euch gezeugt. …“

Im vorletzten Track „Terror“ heißt es: „Au revoir Paradise“. Der Song ist mein persönliches Schlusslied- ist aber reine Geschmackssache. Zu viel Terror und Hass und Geschrei.

Das 2.27 minütige „Outro“ hingegen beruhigt die Gemüter wieder, so dass niemand mit einem Puls von 180 vom Lautsprecher weg muss und hätte auch gekonnt als Intro verwendet werden können.


Fazit:
Laut, hart und agressiv, aussagekräftig und (sozial-)kritisch aber auch sensibel und emotional- kurzum: einfach gut! Bis auf einige Ausnahmen zieht sich vor allem ein Thema wie ein roter Faden durch’s Album: die Korruption, und die Verbrechen die mittlerweile weltweit an der Tagesordnung stehen.

Drop Out Chaos zeigen mit ihrem vierten Studioalbum Apocalypse den „verbalen Mittelfinger an eine korrupte Gesellschaft“, wie sie es treffend mit ihrem ersten Song beschreiben- „ein Frontalangriff gegen Unterdrückung und Tyrannei!“

Für mich persönlich beinhaltet die Platte ein paar Fuck you’s zu viel, vor allem unter dem Hintergrund, dass ich bis dato nur den Song „Freunde“ vom Album Kalt & Dreckig kannte, ist so viel aggressives Potential schon gewöhnungsbedürftig. Aber auch genau das spiegelt sich im Artwork vom Cover und Booklet wieder.
Dennoch musste ich beim schreiben immer mal wieder den Pausenknopf drücken, um meine Gedanken zu ordnen und konzentriert nieder zu schreiben. Zwischenzeitlich ist das schon sehr anstrengend.

„…Lasst euch von Niemanden verarschen und hinterfragt,
was in der Welt passiert! …“
Perli
AGF- RADIO

 

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