Wiens No.1 – Des Kaisers neue Kleider Lieder
VÖ: 11.08.2017
Bandeigenes Label: TRIUMVIRAT RECORDS
Vertrieb: Soulfood

gepflegt & arrogant, mit Melone, Frack & Boots
HOMEPAGE

Totgesagte leben länger, treffender wie bei Wiens No.1 könnte dieses Sprichwort nicht sein. Gegründet hat sich die österreichische Band im Jahre 2001, musste jedoch schon früh mit Umbesetzungen kämpfen und trennte sich 2014 sogar – vorerst.
Gründungsmitglied und Frontmann Stefan wollte seine Band allerdings nicht sterben lassen und so suchte er sich neue Begleiter. Im gleichen Jahr erschien unter Mithilfe von Gerald (Junge Roemer) die vierte Platte Sag niemals nie bei KB Records. Mit der Zeit wurden auch wieder die ersten Konzerte gespielt und die Musiker gründeten ihr eigenes Label: Triumvirat Records.

Bandbesetzung:
Stefan – Vocals
Kruno – Gitarre
Axxel/ Ivo – Schlagzeug
Steve – Bass/ Backing Vocals
Gerwin – Gitarre/ Backing Vocals

(Deutsch)Rock & Oi!, Punk & Ska – in nur eine Schublade lässt sich die Musik der No.1 aus Wien nun wirklich nicht stecken, die Band ist immer für eine Überraschung gut und macht ihrem Namen alle Ehre. Nicht nur facettenreiche Rhythmen, auch inhaltlich wird hier einiges geboten: die Texte entspringen direkt aus dem Leben: ob Freundschaft, sozialkritisches oder Politik – so manch einer wird sich hier wiederfinden.

Jetzt im August 2017 erscheint ihr fünftes Studioalbum Des Kaisers neue Lieder, auf dem Ivo das Schlagzeug noch eingespielt hat. Da er sich zur Zeit aber in Australien befindet, wurde Axxel mit ins Boot geholt. Das Cover Artwork ist von Gitarrist Krunoslav Barta (Kruno).

Als kleinen Vorgeschmack gab es bereits Ende Juli einen ALBUMTEASER, und wer auf der diesjährigen G.O.N.D. war, konnte sogar eine Promo CD erhaschen.

Discografie:
Jetzt red ma amoi Tacheles (2003 – DSS Records)
Punks & Skins & Rock´n´Roller (2005 – Sunny Bastards)
Geteiltes Leid (Split vs. Gewohnheitstrinker 2008 – Randale Records)
Zügellos (2009 – Sunny Bastards)
Sag niemals nie (2014 KB Records)


Tracklist:

  1. Fünf Jungs aus Wien
  2. Auf der Suche nach Spaß
  3. Tour durchs Leben
  4. Spontane Party
  5. Schnauze! Voll!
  6. Freundschaft
  7. Weltverbesserer
  8. Leckt uns am Arsch 2.0
  9. Zeichen der Zeit
  10. Leinen los
  11. Guten Flug
  12. Taunz! (feat. Tommy Lee)
  13. Der kleine Bär
  14. Auf Wiedersehen

Ich kann schon zu Beginn sagen, dass das Album richtig Spaß macht und es zumindest mir kaum gelingt, beim durchhören, still sitzen zu bleiben! Auch für die neue Platte konnte die Band mit Tommy Lee und R.G. Kooper (Chor), die beide z.T. auch beim schreiben der Texte mitgewirkt haben, sowie Ferdy Doernberg (Akkordeon, Trompete und Orgel) als Gastmusiker gewinnen.

„… Hey ho, wir sind wieder da, die fünf Jungs aus Wien,
sind zurück in unserer Stadt, zurück in unserem Revier.
Hey ho, wir sind wieder da, die fünf Jungs aus Wien,
wir sind unaufhaltsam, neugeboren, unbeherrschbar!…“

Passender kann man mit einem Opener nicht beginnen, wird hier doch ein ganz klares Statement gesetzt! Wiens No. 1 ist nicht tot zu kriegen und ich persönlich bin sehr dankbar dafür, dass Stefan so um die Existenz der Band gekämpft hat. #neuelieblingsband

Das Leben nicht so Ernst nehmen und die Selbstironie nicht verlieren, darum geht es in „Auf der Suche nach Spaß“. Der Song rockt einfach und sorgt für mega gute Laune!

Im Anschluss nehmen uns die Musiker mit auf ihre „Tour durchs Leben“. Hier werden die verschiedenen Musikstile angesprochen und musikalisch umgesetzt.

Direkt darauf folgend feiern wir’ne „Spontane Party“, natürlich mit allem was dazu gehört.

Mit 3.45 Minuten ist „Schnauze! Voll!“ der längste Track und auch hier ist u.a. der Chorgesang prägnant.

Wie stark ein Band der „Freundschaft“ sein kann, zeigt sich im sechsten Song, bevor der nachfolgende „Weltverbesserer“ zunächst ruhig und besinnlich beginnt, im Refrain dann aber die Power mit einer klaren Message zurück kommt:

„…Steh zu dir selbst, du brauchst keinen Führer,
du hast dein Leben selbst in der Hand.
Schwimm nur weiter gegen den Strom,
und immer an des Lebens Rand. …“

Und auch im kürzesten Titel „Leckt uns am Arsch 2.0“ finden die Musiker deutliche Worte. Raub, Mord und Vergewaltigung stehen mittlerweile auch in Europa auf der Tagesordnung und noch immer sehen zu viele Menschen weg- aus Gleichgültigkeit oder Angst? Der Großteil der Bevölkerung lebt lieber nach der Norm als das Maul aufzumachen… nicht mit den Jungs aus Wien! Trotz oder gerade wegen der sozialkritischen Thematik strotzt das Stück nur so vor Energie.

„Zeichen der Zeit“ und „Leinen los“ folgen. Letztere Nummer ist leicht melancholisch angehaucht und im Seemannsstil gehalten. Eine durchaus gelungene und ruhige Abwechslung – natürlich auch hier wieder mit einer unmissverständlichen Botschaft: „… Man kann den Sturm nicht beherrschen, doch die Segel richtig setzen!…“ Die Verlockung ist groß, aber wahres Glück findet man nur im Schoss der Heimat und bei der Familie!

Im letzten Drittel folgen weiter die Songs „Guten Flug“ und „Taunz!“ – und nein, hier gibt es keinen Tippfehler! Der Song, den Tommy Lee nicht nur (mit) singt sondern auch geschrieben hat, ist im klassischen Wiener Schmäh und ist eine klare Aufforderung:

„… Taunz afoch so wia wann da kana zuaschaut,
und sing dazua ois wast du allan.
Taugt dir des net dann geh mir net auf die Vurhaut,
I sing und taunz mit dir weu dann samma scho zwa.
Stampf mit die Fiass oder klotsch in die Händ,
moch irgendwas im Takt Oida hurch auf die Band,
nur moch net den Fähler und moch afoch nix. …“

Eine kleine Hommage an Winnie the Pooh stellt der vorletzte Titel „Der kleine Bär“ dar. Man könnte in den Inhalt jetzt einiges rein interpretieren oder nach einem tieferen Sinn suchen, ich geh derweil aber dann doch lieber auf Kneipentour mit dem liebenswerten Bären und seinen Freunden: dem verrückten und immer fröhlichen Tigger, dem mitfühlenden und immer nervösen Ferkel, sowie dem trübseligen I- Aah. Ein Traum!  Eine Frage stellt sich mir jedoch: wo ist Rabbit bei dieser illustren Unternehmung? Vielleicht in den Honigtopf gefallen, oder noch immer komatös vom Vorabend?

„… Wenn Freunde gehen müssen, glaubt man das am Anfang nie. …“ Nostalgisch und mit einer Träne im Auge erinnert man sich im letzten Song „Auf Wiedersehen“ an alle, die einst den Weg mitgegangen sind, leider aber bereits verstorben sind. Ob im Himmel oder in der Hölle- irgendwann und irgendwo sehen wir uns alle wieder! Vermutlich allerdings eher an der langen Theke dazwischen.


Fazit:
Ich zitiere die Jungs selbst aus dem Booklet:

„Küss die Hand an die Madln, Servas de Buam!
Die 5 Jungs aus Wien geben sich wieder die Ehre.
Mit neuem Elan und frischem Wind präsentieren wir unser nunmehr 5. Album.
Seit 15 Jahren gibt es uns mittlerweile
und wer uns noch nicht kennen gelernt hat,
hat definitiv etwas verpasst! …
Wir werden auch noch in 15 Jahren auf der Bühne stehen!…“

Auch wenn sich die Musiker gerne selbst als gepflegt und arrogant bezeichnen, so sind sie dennoch am Boden geblieben, was ich selbst jüngst auf der G.O.N.D. erst erfahren durfte.

Hier kommt ein absolutes Knalleralbum, unfassbar rhythmisch und melodisch und gespickt mit 14 (!) Ohrwürmern. Mir bleibt nicht viel zu sagen, als dass es hier volle Punktzahl in allen Kategorien gibt: #neuelieblingsband

gepflegte und arrogante Grüße aus dem Sauerland
Perli
AGF-RADIO

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.