Neurotox – Plan D
VÖ: 09.02.2018 via MetalVille

Die Arbeitstiere melden sich zurück

Warum Arbeitstiere? Ganz einfach, denn sie sind gerade mal fünf Jahre unterwegs, haben drei Alben produziert und waren bereits auf einigen Touren quer durch die Republik sowie darüber hinaus unterwegs. Nun kommt ihr viertes Album an den Start, welches mit Plan D betitelt ist.

Bandbesetzung:
Benny (Gesang)
Marius (Gitarre)
Ralle (Drums)
Mario (Bass)


Traklist:

  1. Wir
  2. Küss mich
  3. Mein Tag
  4. Mutti hat mich lieb
  5. Dein Problem
  6. Besser geht nicht ohne anders
  7. Mein Kaff
  8. Für Die Masse
  9. Für immer
  10. Himmel und Hölle
  11. Halt mich nicht auf
  12. Panzer gegen Dreirad
  13. Die schönste Nacht
  14. Kein Applaus

Ohne ein Intro geht es direkt mit Vollgas los. Der erste Song heißt „Wir“ und macht gleich mal eine Klarstellung: Sie sind so wie sie sind, liebt sie oder hasst sie dafür, aber ändern könnt ihr daran nichts.

Man könnte denken wenn man den Titel „Küss mich“ liest, dass es hier ein wenig romantisch zur Sache geht. Doch dem ist nicht so, es geht vielmehr um den Punkt, wenn eine Beziehung kurz davor ist, zu Ende zu gehen. Wenn nur noch der letzte Kuss folgt und dann alles vorbei ist.

Wenn man nur auf die Musik achtet könnte man denken, dass es sich bei „Mein Tag“ um eine fröhliche oder vielleicht sogar lustige Nummer handelt. Doch hört man genau hin, bemerkt man, dass es hier doch eher Ernst zur Sache geht. Es geht um den Hass, den man jeden Tag empfindet, wenn man mal kurz die Augen nicht vor dem verschließt, was sich draußen in der Welt abspielt.

Der nachfolgende Track ist aber dann doch endlich mal was für Diejenigen, die den Spaß suchen. „Mutti hat mich lieb“ ist, wie der Titel schon sagt, eine Hommage an die Person, die egal was man für Blödsinn gemacht hat, immer noch hinter einem steht und immer noch unterstützt.

„Dein Problem“ ist ein Lied an all die Zweifler und Neider, die man gegen sich stehen hat. Egal was man auch macht, sie können einfach nicht damit klar kommen, dass man noch lebt und so ist wie man ist. Aber das ist halt  ganz salopp gesagt, ihr Problem!

Mit „Besser geht nicht ohne anders“ liefern uns die Musiker aus Rheinberg eine richtige Ska-Nummer ab. Inhaltlich finden sich hier garantiert einige wieder: es geht um den Widerstand, dem sich Heranwachsende seitens ihrer Eltern stellen müssen, obwohl man doch einfach nur in Ruhe erwachsen werden und seine eigenen Wege gehen will.

Anschließend kommt eine Hymne für alle Dorfkinder. Mit all den Vorurteilen und dem Alltag, den man hier erlebt, ist man doch an irgendeiner Stelle immer verbunden. Die ganze Welt mit allen Städten, die man bereisen kann  und doch kommt man immer irgendwann wieder zurück an den Ort, von dem man mit Stolz sagt, dass es „Mein Kaff“ ist.

Massentauglichkeit ist das Stichwort für den nächsten Song  „Für die Masse“, denn das ist genau das, was die Welt von uns verlangt, damit wir angeblich leichter durchs Leben kommen. Doch nicht mit uns, und noch weniger mit der Band!

„Für immer“ versetzt uns in die Lage eines Wesens, welches anscheinend nur dafür gelebt hat Opfer zu suchen und sie zur Strecke zu bringen. Doch dann kam der Punkt, an dem das Letzte (Opfer) gefunden wurde und das Ganze auch mit ihm zusammen beendet wird, bevor dieses Wesen dann von allen gestellt wird.

Mit „Himmel und Hölle“ setzen Neurotox ein klares Statement über ihren Lebensweg. Egal wer oder was ihnen im Wege steht, es wird beiseite geräumt, damit sie weiter aufrecht auf ihren Pfaden durch das Leben gehen können.

Es gibt Tage im Leben an denen man seine Wut einfach nicht mehr zurück halten kann. Man gibt sich seinem Zorn einfach hin obwohl alle sagen, dass man sich beherrschen und beruhigen soll. Doch es muss sein! Der Hass muss seinen freien Lauf nehmen, um ihn los zu werden um dann das wohltuende Gefühl der Erleichterung zu spüren. Davon handelt Song N° 11  „Halt mich nicht auf“.

Die darauffolgende Nummer mit dem ungewöhnlichen Titel   „Panzer gegen Dreirad“ beschreibt den Moment, den wir doch viel zu wenig in uns hervorrufen. Man schließt die Augen, hält die Welt für einen kurzen Augenblick an und gibt sich der kurzen Hoffnung hin, dass doch alles besser wird.

Im vorletzten Lied geht es um Vergänglichkeit. Denn alles im Leben hat seine Zeit und geht vorbei. Und auch „Die schönste Nacht“ hat irgendwann ein Ende und auch die geliebten Menschen um uns herum haben ihre Zeit auf dieser Welt, und irgendwann müssen sie von uns gehen.

Der letzte Song des Albums trägt den Namen „Kein Applaus“. Hier geben uns die Jungs noch einmal zu verstehen, dass egal was passieren mag oder wer auch immer da kommt, sie immer sie selbst bleiben und sie sich für nichts in dieser Welt brechen lassen.


Fazit:
Ich bin was dieses Album angeht etwas zwiegespalten. Es ist auf jeden Fall gut,gar keine Frage, und man braucht es auch vor niemandem zu  verstecken.

Doch man merkt auch, dass es bereits ihr viertes Album in fünf Jahren ist. Auf mich wirkt es, als hätten die Jungs genau an der Stelle, an der sie beim Vorgänger GLAUBE LIEBE KRIEG aufgehört haben, einfach weiter gemacht. Es klingt fast so, als wären beide in einem Aufwasch entstanden.

Was mir persönlich an dieser Stelle jedoch etwas fehlt ist die Innovation und die Weiterentwicklung. Vielleicht wäre hier eine längere Abstinenz vom Studio eine Idee um etwas, frischen Wind in die Sache hinein zu bringen und dem ganzen Mal eine neue Note zu bieten. Es wäre für die Band viel zu schade, als dass man ihre Musik irgendwann mal als langweilig bezeichnen würde.

Von Mitte bis Ende Februar sind Neurotox zusammen mit Kärbholz auf der „Auf die alten Tage Tour 2“ unterwegs:
15.02.2018 Lübeck, Riders Café
16.02.2018 Glauchau, Alte Spinnerei
17.02.2018 Oberhausen, Pogo Festival
18.02.2018 Fulda, Kreuz
21.02.2018 Cham, L.A.
22.02.2018 Wien (A), Viper Room
23.02.2018 Wetzikon (CH), Hall of Fame
24.02.2018 Aarburg (CH), Musigburg
25.02.2018 Mannheim, MS Connexion Complex

AGF- RADIO
Dor Alex