Unantastbar – Leben, Lieben, Leiden Tour
03.03.2018 Reithalle Dresden

Leben, Lieben, ….. vielleicht doch nicht leiden?

Ja ihr lest gerade richtig. Ich, einer der vielleicht größten Kritiker von Unantastbar, ist freiwillig auf ein Konzert von ihnen gegangen. Und das auch noch ausgerechnet zur Tour vom neuen Album Leben Lieben Leiden, welches mich dieses Jahr bisher am wenigsten überzeugt hat.

Ich muss an dieser Stelle aber auch gestehen, dass ich so ganz freiwillig nicht da gewesen bin. Ich war halt gerade eher zufällig mal auf Heimatbesuch und da wurde von meiner Familie beschlossen, dass ich mitgehen muss. Lassen wir aber das Vorgeplänkel und die Meckerei bei Seite und widmen uns dem Abend.

Wenn ich schon mitgehen musste, hatte ich mir vorgenommen, neutral an die Sache heran zu gehen. Die Anreise verlief für mich ausnahmsweise mal äußerst angenehm, denn ich hatte seit langer Zeit mal endlich wieder das große Glück, nicht selber fahren zu müssen. Als wir vor der Reithalle angekommen waren, kamen bei mir direkt ein paar nostalgische Gefühle zum Tragen. Damals wie heute- immer wenn es im Osten irgendwo etwas gibt oder was los ist, muss man anstehen. Das Warten an sich wurde vor allem noch erschwert, weil Väterchen Frost an diesem Wochenende nochmal alles gegeben hatte und wir draußen bei gefühlten -10°C anstehen mussten. Dies verging zum Glück ohne irgendwelche Erfrierungen oder andere schwere Vorkommnisse – obwohl für den ein oder anderen dann doch nicht so ganz. Am Einlass gab es mal kurz Empörung, denn die Securitys haben bei der Kontrolle auch auf die T- Shirts der Leute geachtet, was bedeutete dass wir unsere Jacken draußen aufmachen mussten. War bei den Temperaturen nicht so angenehm, aber  nach diesem kurzen Kälteschock war es dann  endlich überstanden und wir konnten die Halle betreten.

Schon beim ersten Blick nach innen wurde klar: das wird kuschelig nachher. Das Konzert an diesem  Abend war bereits im Vorfeld ausverkauft und schon von Beginn an war es sehr voll. Das schreckte uns aber nicht ab und nachdem wir unsere überflüssigen Klamotten an der Garderobe abgegeben hatten ging es natürlich, wie sollte es auch anders sein, direkt an die Bar.

Dort wartete allerdings der größte Schock des Abends auf mich: ich habe ja schon einige Konzerte mit mit heftigen Bierpreisen erlebt, aber das war echt die Krönung von allem! Nicht nur das der 0,4l Becher 4€ kostete, nein viel schlimmer war noch, es gab dieses widerliche Hasseröder !!! Das war echt die Höhe. In Dresden und Umgebung gibt es so viele Brauereien mit so gutem Bier, warum musste dann ausgerechnet dieses ekelhafte Gesöff rangekarrt werden? Glücklicherweise gab es noch dunkles Köstritzer, was mich vor dem grauenhaften Tod an Unteralkoholisierung während eines Konzerts bewahrte. Bewaffnet mit einigen Bierchen ging es sofort ein Stück weiter nach vorne um dann auch auf das Eintreffen der restlichen Truppe zu warten.

Was den Abend an der Stelle für mich gerettet hatte war die Tatsache, dass ein Großteil meiner ganzen Freunde aus der alten Heimat zu dem Konzert kam und so das Ganze für mich in eine positive Bahn lenken sollte. Bevor jedoch alle da waren, begann die Vorband des Abends zu spielen. Und hier kam dann auch ein Highlight, auf das ich mich schon sehr lange gefreut hatte. Letztes Jahr auf dem Alpen Flair konnte ich leider nur ein Lied von ihnen genießen, doch hier bekam ich endlich die Gelegenheit den ganzen Auftritt von Artefuckt mitzuerleben. Schon während des ersten Songs „Geteilte Freude, geteiltes Leid“ wurde klar, dass da echt etwas geiles auf uns zukommt. Der Sound war sehr stark und auch das Publikum war bereits zur frühen Stunde guter Stimmung und feierte die Jungs so richtig ab. Nachdem wir endlich vollzählig waren, ging es für mich noch mal ein Stück weiter vor Richtung Bühne, sodass wir die Jungs auch visuell in vollen Zügen genießen konnten. Ich hatte sogar das Glück, einige Schnappschüsse zu machen.

Währenddessen lieferten die Jungs auf der Bühne einen Hit nach dem anderen ab. Sie spielten zwar „nur“ Lieder aus ihrem Debütalbum Manifest, doch wie ich damals in meinem Review darüber schon erwähnt hatte, schlug das Album in unserer Szene ein wie eine Bombe und war auch qualitativ kaum zu übertreffen. Hier bekam ich jetzt endlich die Gelegenheit, mich selbst davon zu überzeugen, dass sie es auch live drauf haben. Highlight dieses Auftritts war für mich natürlich, als mein Favorit „Was wir wollen“ gespielt wurde. Leider war ihr Auftritt viel zu schnell vorbei, allerdings nicht ohne eine Zugabe, die von den Fans auch lauthals gefordert wurde. Im ersten Moment waren die Musiker jedoch etwas ratlos und wussten nicht was sie spielen sollten, denn wie sie uns verrieten, war dies für sie das allererste Mal, dass ein Publikum frenetisch nach mehr verlangte. Nach kurzer Frage in die Menge wurde ihnen die Entscheidung abgenommen und sie spielten ein zweites Mal ihren Hit „Geh deinen Weg“. Das war dann auch ihr Schlusspunkt und unter großem, an dieser Stelle sehr gerechtfertigtem, Applaus gingen sie von der Bühne.

Es folgte die obligatorische Umbaupause und auch der obligatorische Weg zurück zur Theke zum Bier holen. Dort angekommen stellte sich wieder das übliche Bild dar: massiver Andrang und wieder dutzende Leute, die gleich wieder für dutzende andere Leute die Getränke mit holten. Um mir diesen Stress nicht nochmal antun zu müssen holte ich mir gleich einen Vorrat, der für das restliche Konzert reichen sollte- wie naiv ich doch an dieser Stelle war. Mein Vorrat reichte gerade mal bis zum Anfang des ersten Songs der Hauptattraktion des Abends.

Nutzen wir doch gleich mal diese Überleitung und kommen zum Auftritt der quasi Hausherren an diesem Abend. Unantastbar betraten die Bühne und sofort wurde mir klar, dass ich mit meinem Denken die ganze Zeit total falsch lag.

Ich war mit meinen Gedanken immer nur beim neuen Album und war die ganze Zeit davon ausgegangen, dass hier nur diese „Schnulzen“ gespielt würden. Dem war aber nicht so. Gleich als erstes ging es mit einem der beiden Lieder los, welche ich vom neuen Album noch als vernünftig, gut und vor allem ordentlich rockig empfinde: „Nur noch diese Lieder“ eröffnete den Abend und für die Menge gab es gleich von Beginn an kein Halten mehr. Die Stimmung war sofort ganz oben und der Pogo war auch direkt in vollem Gange, in den auch ich mich mal endlich wieder mit vollem Herzen rein stürzte.
Mein Eindruck wie oben erwähnt mit den neuen Liedern wurde dann gleich im Anschluss dazu verworfen, denn es folgten nach einander die Songs „Kämpft mit uns“ und „Ihr könnt mich alle mal“. Das holte mich aus meinem Loch der trüben Gedanken über diesen Abend heraus und ich begann den Auftritt in vollen Zügen zu genießen. Mir fiel aber auf, dass man auch im Publikum merkte, wann ein neues Lied kam und wann eines der älteren. Die neuen waren zwar live doch ganz gut aber die Stimmung hielt sich währenddessen nicht so hoch wie bei den Songs ihrer anderen Alben. Einzige Ausnahme war „Im Gleichschritt in den Abgrund“ – hier eskalierten die Leute nochmal so richtig. Aber ansonsten war es bei den neuen Nummern eher etwas verhalten. Da es unvermeidlich war, dass auch einige ihrer „Schnulzen“ gespielt wurden, wurde es z.T. auch noch extremer, weil da aus allen Ecken diese penetranten Liebespärchen gekrochen kamen, um vor allen Leuten zu zeigen, wie sehr man sich doch liebt und wie gut man aneinander rum sabbern bzw. rum knutschen kann. Diese Nummern waren dann zum Glück irgendwann auch wieder vorbei und es folgten Klassiker wie „Aus dem Nebel“ oder „Hoch das Glas“, bei denen die Post wieder so richtig abging. Irgendwann folgte dann auch die von der Band obligatorische kurze Pause auf der Bühne und wir wappneten uns. Mit der Zeit war uns klar, dass dies inzwischen ihr Ritual geworden und dass anschließend immer das Highlight für alle kommen sollte. Die Band kam zurück und alle waren bereit zu eskalieren, als dann endlich ….

„Gerader Weg“ angespielt wurde. Halt Stop! Bitte was? Hier kam doch sonst immer ein anderen Song. Schockiert über diese Tatsache gaben wir uns dann aber trotzdem dem Lied hin und dachten uns, dass es bestimmt als nächstes kommen wird. Dem war aber wieder nicht so. Danach folgte mit „Zusammen“ ihr zeitweilig letztes Lied bei Konzerten. Als nachfolgend noch „Ich gehöre mir“ gespielt wurde stand uns langsam echt die Panik im Gesicht. Sollte alle Hoffnung vergebens gewesen sein? Alle Erwartungen an diesen Abend für Nichts? Doch dann- dann kam endlich die Erlösung. Das vorletzte Lied des Abends erlöste uns endlich von unseren Qualen und es erklang „Das Stadion brennt“. Die Eskalation war perfekt! Niemand hielt es mehr am Platz und alle stürzten sich in den Pogo oder bewegten sich auf ihre eigene Weise zu dem Song. Als es dann vorbei war, waren auch wir mit unseren Kräften so ziemlich am Ende und freuten uns fast schon, dass die Band jetzt mit „Fackeln im Sturm“ den Schlusspunkt für diesen Abend setzten.

Danach passierte nicht mehr viel, man verabschiedete sich voneinander und nach dem ich nochmal ein paar bekannte Gesichter getroffen hatte, ging es auch für mich nach Hause.

Abschließend muss ich ehrlich gesagt  doch zugeben, dass ich froh war, an diesem Abend auf dem Konzert gewesen zu sein. Nicht nur weil ich mir endlich den Wunsch erfüllen konnte, Artefuckt komplett zu sehen oder doch positiv von Unantastbar überrascht werden konnte, nach längerer Zeit konnte ich endlich mal wieder ein Konzert mit meinen besten Freunden genießen und sie bestätigten mich mal wieder in meinem Handeln.

Egal wie lang oder beschwerlich die Reise in die Heimat ist, es lohnt sich doch immer wieder zurück zu kehren um euch zu sehen und mit euch zu feiern. Vielen dank Dafür an euch!

 

„Lasst uns das Glas erheben, lasst uns trinken lasst uns feiern,
auf dass wir immer zu einander stehen,
dass wir ewig unsern Weg zusammen gehen!“
Dor Alex
AGF-Radio