Erstellt von Perli am 20.05.2018

Wir gegen uns - Aus eigener Feder / VÖ: 01.06.2018 in Eigenregie

Gegründet hat sich die Band aus Teuchern im Süden von Sachsen Anhalt im Oktober 2015. Jeder der vier Bandmitglieder kann bereits auf einen langen musikalischen Werdegang zurückblicken und hat in verschiedenen Bands schon etliche Konzerte gespielt. 2015 wurde es jedoch Zeit für einen Neuanfang, denn die Musiker suchten nach was eigenem, mit dem sie sich seit dem verwirklichen (können). 

Ronny – Gesang/ Gitarre
Simon – Piano/ Hammond 
Ingo – Bass/ Gesang
Robert – Drums 

Wir gegen uns ward geboren und fand mit ihrer handgemachten Musik und den deutschsprachigen Texten über das Leben, die Liebe aber auch über kontroverse Themen direkt Anklang in der Deutschrockszene. 
Mit Melodien, die ins Ohr gehen und hängen bleiben, wird in den selbst geschriebenen Songs alles verarbeitet und zur musikalischen Sprache gebracht,
was die Jungs beschäftigt.  

 

Ihre erste EP Hand auf's Herz wurde 2016 veröffentlicht und seit dem spielt die Band kontinuierlich Konzerte und arbeitete parallel an ihrem Debütalbum, welches diesen Sommer released wird. Aufgenommen wurde die Platte, mit einer Gesamtspielzteit von 65.54 Minuten, zwischen Dezember 2017 und März 2018 im Orientaudio Recording Studio, produziert und gemischt von Marcel Wicher und Ronny Paul Wagner im All Orange Music Studio im April/ Mai diesen Jahres.

Seit Anfang Mai kann man sich auf Youtube einen Snipped Teaser, der einen kleinen Einblick und Vorgeschmack auf das Album gibt anhören.

Eckdaten: 
Musik/Komposition: Ronny Paul Wagner, 
außer „Geschichten und Bilder“ Simon Eisert/ Ronny Paul Wagner
Texte: Ronny Paul Wagner
Titel 16 „Und Jetzt“ Text/ Musik/ Komposition: Gunnar Schroeder (Dritte Wahl)


Tracklist:

  1. Wir gegen uns
  2. Die Geister die ich rief
  3. Es ist so wie es ist
  4. Hey Du
  5. Lass uns noch einmal
  6. Selbstgespräche
  7. An deiner Seite
  8. Kartenhaus aus Lügen
  9. ´89 im November
  10. Fremdbestimmt
  11. Geschichten und Bilder
  12. Scherben unterm Küchentisch
  13. Hand auf´s Herz
  14. Bilder in Schwarz Weiss
  15. Sommerregen
  16. Und jetzt

In dem Opener „Wir gegen uns“, der nach der Band selbst benannt ist, geht es darum, nicht alles zu glauben, was uns in den Medien oder den sozialen Netzwerken verkauft wird.

„... Fragst du dich nicht, ob das wirklich so ist, 
was man dir hier als einzige Wahrheit auftischt. 
Die Geschichte wiederholt sich, du hast nichts daraus gelernt. 
Denk nach und sag dann bloß nicht, wir hätten dich nicht gewarnt! ...“
 

Man sollte immer alles hinterfragen und aufpassen, wer einem seine Meinung aufdrücken will, vor allem, wenn es politisch wird! Denn wer im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, der weiß, dass Leichtgläubigkeit nicht immer gut ausgehen kann. 

Trach N°2 ist ein sehr melodisches Stück mit einer ernsthaften Thematik, in die sich sicherlich jeder hineinversetzen kann. Trostlose Tag, wenn man ziellos umhertreibt und im Nebel jede Spur von Optimismus verloren hat. Die Schatten vor einem sind zu groß als dass man etwas findet, um die Depression („Die Geister die ich rief“) zu überwinden. 
An diesen Tagen hat man schon Mittags das Bedürfnis, sich zu betrinken, um die ganze Scheiße zu vergessen, und in Träumen zu versinken. Und dann, dieser eine letzte Schluck, der alles fast erträglich macht. Ein Kreislauf aus dem man ohne Hilfe nicht herauskommt! 

„... Zu oft hab ich mir selbst schon, einfach nur im Weg gestanden 
und das Feuer selbst entfacht, in dem meine Träume dann verbrannten...“ 

Wer Angst hat, irgendwann zu verschwinden, ohne etwas zu hinterlassen, der sollte was an seinbem Leben ändern und seinen Stempel hinterlassen. Dafür gibt es viele Möglichkeiten! 

Der nachfolgende Song „Es ist so wie es ist“ ist eine direkte Antwort auf den Vorgänger! 
Kämpfe für deine Träume, hör auf dein Herz, und sei immer auf der Suche, um am Leben zu sein! Versuch, was zu bewegen, nimm dein Herz in die Hand und trenne dich von Dingen oder Menschen, die dir nicht gut tun. Nichts ist wichtiger, wie seinen eigenen Weg zu gehen, kein Blick zurück und keine Zeit zu verschenken. Manchmal ist es einfach Zeit, los zulassen, auch wenn es schwer zu ertagen ist. Aber: NIEMAND entscheidet, was du fühlst und wer du bist! Es ist DEIN Leben! 

Sehr persönlich wird es mit „Hey Du“. Auslöser für diesen Song war eine SMS von Ronnys  erster großen Liebe nach knapp 20 Jahren mit genau diesen Worten. Der Song ist dem emoptionalen Inhalt entsprechend angepasst und etwas ruhiger. Man erinnert sich an vergangene Zeiten und erhebt das Glas auf das Leben! Manchmal darf man sich auch mal an das, was war und die gute alte Zeit erinnern, nicht alles sollte man vergessen! 

Im  fünften Titel wird diese Thematik nochmal aufgegriffen und man erinnert sich an den Sommer und die Freundschaft um das Jahr 1994, als die Haare noch lang waren und man zu Nirvana tanzte. Das war der Moment, wo alles begann! „Lass uns noch einmal“ diesen Spirit spüren, so dass man es niemals vergisst! Zu Beginn werden Nachrichten Fetzen aus der Zeit eingespielt und im letzten Drittel wird es im  A-capella Stil besonders rhythmisch. 

Mit 3.17 Minuten ist „Selbstgespräche“ der kürzeste Song vom Album und handelt davon, wenn man mal wieder zu tief ins Glas geschaut und die halbe Nacht auf dem Barhocker verbracht hat. „... Und wieder stell ich mir die Fragen, wo komm ich her, wo geh ich hin. Ich erwische mich bei Selbstgesprächen, muss dann schmunzeln, weil es nichts bringt. ...“ Am Morgen danach folgt dann oftmals die Ernüchterung: dicker Schädel, Augenringe und ein seltsames Gefühl im Magen, wenn langsam die Bilder der letzten Nacht zurück kommen. 

Ein wunderschönes Liebeslied folgt mit „An deiner Seite“ bevor anschließend das „Kartenhaus aus Lügen“ einstürzt. Hier geht es um zerbrochene Freundschaft, über Wortbruch und Arschkriecherei. 

Rein vom Stil und Aufbau (Nachrichten Einspieler zu Beginn) ist „´89 im November“, 5.24 Minuten auch der längste Titel, schon was besonderes. In dem Song geht es zum einen um den Mauerfall 1989, dem Traum von Freiheit und einer besseren Welt. Es ist wichtig, dass man für eine gute Sache auch mal auf die Straße geht. Zum anderen wird die Geschichte eines jungen Menschen mit Anfang 30 erzählt, der nicht absehen konnte, was danach passiert. Der Kapitalismus hat Mitte der Neunziger knallhart zugeschlagen und hunderte Betriebe und Firmen in der ehemaligen DDR wurden von heute auf morgen geschlossen und Tausende waren plötzlich arbeitslos. 
In diesem Zusammenhang ist es der Band wichtig, dass die Sätze „Wir sind ein Volk“ und „Wir sind das Volk“ heute oft nur für falsche und sogar rassistische Demonstrationen genutzt wird, obwohl die Aussagen ganz klar für Freiheit und Offenheit stehen! 

Wenn zwei Menschen offensichtlich füreinander bestimmt sind, es aber nicht auf die Kette kriegen, sich das auch gegenseitig einzugestehen. So leben beide aneinander vorbei, der Alltag holt sie ein und sie fühlen sich „Fremdbestimmt“. Man sollte sich nicht nur in seinen Träumen verlieren sondern auch die Chance nutzen, denn da ist noch weitaus mehr im Leben und das alles zu zweit zu erleben ist doch viel schöner! 

Es fühlt sich an, als wär es erst gestern gewesen. Alle Dinge sind noch genau so, wie der Jenige es hinterlassen hat, denn man hat immer noch das Gefühl, dass er oder sie jeden Moment zur Türe herein kommt. Aber doch ist es traurige Gewissheit... 

„...ich weiß nicht, wo du jetzt bist, oder was du grad machst, 
wie es dir dort geht, wo auch immer das ist.
Ich hoffe, wir sehen uns, mal irgendwann wieder, 
solang trag ich sie in mir, die Geschichten und Bilder!...“ 

Wenn eine Beziehung augenscheinlich schon lange am Ende ist und man nur noch aneinander vorbei lebt, sollte man seine Situation überdenken und sich fragen, ob das noch Sinn macht. Oder ob man nicht besser die „Scherben unterm Küchentisch“ zusammenkehrt und getrennte Wege geht, um wieder glücklich zu werden! 

„Hand aufs Herz“ fordert dazu auf, ehrlich zu dir selbst zu sein und zu hinterfragen, ob du auf dem richtigen Weg bist. Bist du wirklich glücklich? 

„...Du sucht dein Glück mit falscher Hoffnung, weil du liebst, was dich zerstört. 
Und ohne was zurück zu geben, nimmt es dir, was dir gehört. 
Nichts war dir so wichtig, wie der Traum vom eigenen Glück, 
doch betäubt von deinem scheitern, findest du nicht zurück. …“ 

Bekämpfe das, was deine Flügel nicht mehr schlagen lässt, seien es Drogen, Alkohol oder Menschen, die dir eindeutig nicht gut tun! Rhythmisch bringt der Song Schwung in das Album, zeitweise hatte ich das Gefühl, ein peppiges Volksmusikstück zu hören, was an dieser Stelle signifikant gemeint ist! 

Mit „Bilder in Schwarz weiß“ folgt ein Liebeskummersong und der vorletzte Titel „Sommerregen“ hält die schönen Momente im Leben fest. Es gibt IMMER irgendjemanden oder irgendetwas, für das es sich zu leben lohnt.

Als Bonustrack haben die Musiker einen Song ihrer Idole gecovert. „Und Jetzt“ ist quasi eine Huldigung an die Band Dritte Wahl, die einige der Jungs schon seit Anfang der Neunziger Jahre begleitet. 


Mein Fazit fällt heute mal richtig kurz aus: Textlich ist das Debütalbum ein Brett, musikalisch ist noch Luft nach oben. Ich freu mich auf alles weitere, was von Wir gegen uns noch kommt! 

Perli
AGF- RADIO